Überall Sommer. Und das im Winter!
Es ist Winter, ein kalter Sonntagnachmittag, und ich stapfe dick angezogen in die Alte Nationalgalerie. Den Mantel lasse ich an der Garderobe. Die Garderobenfrau guckt auf meine Strickjacke. Nein, sage ich, die lasse ich lieber an. Irgendwie ist mir noch immer kalt. Also rein. Ein paar Schritte und plötzlich stehe ich mitten im Sommer. Überall grüne Wiesen, grüne Bäume. Es ist heiß. Der Wannsee glitzert in der Sonne. Und Blumen, Blumen, Blumen. „Im Garten von Max Liebermann“, sind die 40 Bilder des Berliner Malers in der Alten Nationalgalerie überschrieben. Bilder, die er einst im Garten seiner Villa am Wannsee malte.
Ich bleibe vor den „Blumenstauden am Gärtnerhäuschen nach Norden“ stehen. Rote, weiße und gelbe Blumen, die beinahe das ganze Bild füllen. Sie verdecken das Fenster des Gartenhäuschens, reichen fast bis zum Dach. Sie leuchten in der warmen Sonne. Max Liebermann hat die Farbe dick aufgetragen, der Pinselstrich ist breit und kräftig, sodass die einzelnen Blüten nicht zu erkennen sind. Es ist ein wogender Teppich aus Farbe, Licht und Wärme. 1928 hat er das Bild gemalt, noch heute gehört es zur Dauerausstellung der Alten Nationalgalerie. Je länger ich davor stehe, desto stärker spüre ich die Sonnenstrahlen, die auch Liebermann damals gespürt haben muss. Ich ziehe meine Strickjacke aus. Was für ein schöner Sommertag.
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